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Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Dr. Iris Häuser
Im Jahr 2006 feierte die CDU in Baden-Württemberg ihr 60-jähriges Bestehen, auch wenn sie bedingt durch die ehemaligen Besatzungszonen zunächst in den vier eigenständigen Landesverbänden Nordwürttemberg, Südwürttemberg, Nordbaden und Südbaden entstanden war. Die Wurzeln christlich-demokratischer Politik im Südwesten reichen weit zurück.
Führungspersonal und Anhängerschaft rekrutierten sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf katholischer Seite aus der Tradition des Zentrums, auf protestantischer Seite aus den Potenzialen des Christlich-Sozialen Volksdienstes und des Bauernbundes in Württemberg bzw. aus den (national-)liberalen Traditionen der südwestdeutschen Länder.
Rasche Parteigründung möglich
Im Unterschied zu (Süd-)Baden als Teil der französischen Besatzungszone ließ die liberale Praxis der amerikanischen Besatzungsbehörden in Nordbaden eine schnellere Parteienbildung zu. Bereits am 14. August 1945 wurde in Karlsruhe die „Christlich-demokratische Partei" (CDP) gegründet, am 8. November 1945 die „Christlich-Soziale Union“ in Heidelberg. Diese und weitere lokale Initiativen wurden am 9./10. Februar 1946 mit der Gründung des Landesverbandes Nordbaden zur Christlich-Demokratischen Union zusammengeführt.
Am 20. Dezember 1945 wurde in (Süd-)Baden der CDU-Vorläufer „Badische Christlich-Soziale Volkspartei“ (BCSV) mit dem späteren Staatspräsidenten Leo Wohleb als Parteivorsitzendem konstituiert. Genehmigt wurde die Partei allerdings erst am 8. Februar 1946. Im Jahr 1947 gab sie sich einen neuen Namen: „CDU Baden“. Die Kontroversen um die Gründung des Südweststaats stellte die Partei von 1947 bis Mitte der 50er Jahre vor eine innerparteiliche Zerreißprobe.
In Nordwürttemberg wurde am 25. September 1945 die „Christlich-Soziale Volkspartei“ gegründet, eine interkonfessionelle, christlich-sozial orientierte Partei. Die CDU agierte hier in einer schwierigen politischen Landschaft. Die starke Industrialisierung, ein traditionell hoher Stimmenanteil liberaler Parteien und Vorbehalte in der evangelischen Bevölkerung gegen die vielfach als „katholisch“ wahrgenommene Partei machten es der Union hier nicht leicht.
Konfessionelle Prägung
In Südwürttemberg-Hohenzollern wurde im Januar 1946 ein Zulassungsantrag für die „Christlich-Demokratische Union“ gestellt. Am 23. März 1946 konnte die erste Landeskonferenz in Sigmaringen stattfinden. Mehr als in anderen Landesteilen waren hier im vorwiegend katholisch geprägten Raum die politischen Diskussionen stets grundsatzorientiert; man kann dies am langen Festhalten an der Konfessionsschule ablesen.
Erst im Januar 1971 schlossen sich die vier bis dahin selbstständigen Landesverbände der CDU zum Landesverband Baden-Württemberg zusammen. Mit dem neuen Verband wurde die Organisationsstruktur der Partei an der Spitze ergänzt. Die vier bisherigen Landesverbände wurden zu Bezirksverbänden, deren Grenzen denen der neu gebildeten Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen entsprechen.
Dominanz der CDU
Die jahrzehntelange Dominanz der CDU ist charakteristisch für das Parteiensystem des Landes. Seit 1953 ist sie Regierungspartei und stellt durchgängig den Ministerpräsidenten; zunächst in Koalitionskabinetten, bis es ihr 1972 gelang, die absolute Mehrheit zu erlangen.
Nach zwanzig Jahren Alleinherrschaft verlor die CDU im April 1992 die absolute Mehrheit. Zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes nach 1966 –1972 kam es wieder zu einer Großen Regierungskoalition von CDU und SPD. Seit 1996 regiert die CDU in Baden-Württemberg in einem Regierungsbündnis mit der FDP/DVP.
Organisationsstruktur
Die CDU in Baden-Württemberg hat über 80.000 Mitlieder. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt bei rund 55 Jahren; rund vierzig Prozent der Mitglieder sind über sechzig Jahre alt. Der Frauenanteil in der Partei liegt bei knapp über zwanzig Prozent.
Der CDU-Landesverband gliedert sich in vier Bezirksverbände - Nordbaden, Südbaden, Nordwürttemberg und Württemberg-Hohenzollern (für die Regierungsbezirke Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Tübingen). Diese umfassen wiederum 41 Kreisverbände und über 800 Stadt-, Gemeinde- und Ortsverbände.
Sechs Fachausschüsse auf Landesebene arbeiten dem Landesverband zu. Sie beschäftigen sich mit den Themen Bildung, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Umwelt und Energie, Ernährung, Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ländlichen Raum, Soziales und Europapolitik. Außerdem bestehen verschiedene Arbeitskreise, Beiräte und Sonderorganisationen.
Innerhalb der CDU gibt es zehn selbstständige Vereinigungen, die in enger Bindung zur Partei stehen:
- Die Junge Union (JU) mit über 11.000 Mitgliedern,
- die Frauen Union (FU) mit derzeit über 16.400 Mitgliedern
- die Senioren Union (SenU) mit über 8.000 Mitgliedern,
- die CDU-Sozialausschüsse (CDA),
- die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT),
- die Kommunalpolitische Vereinigung (KPV),
- die Union der Vertriebenen und Flüchtlinge (UdVF),
- der Evangelischer Arbeitskreis (EAK) mit rund 22.000 Mitgliedern,
- der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) sowie
- die Schülerunion (SU) als Sonderorganisation der Jungen Union.
Landesvorstand
Neben dem Landesparteitag gehört der Landesvorstand zu den obersten Organen des CDU Landesverbandes Baden-Württemberg.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Seit dem 12. Mai 2011 ist Winfried Kretschmann der neue Ministerpräsident von Baden-Württemberg.
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